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Nachruf: Robert Harmer, der Bio- und Demeter-Bauer

Robert Harmer ist am 5. August 2025 im Kreise seiner Familie zu Hause in Alt-Prerau verstorben. Ein sehr wichtiger, wenn nicht der wichtigste Teil von Roberts Leben war die Landwirtschaft im Allgemeinen und der Biolandbau, dann biologisch-dynamischer Landbau im Besonderen.

Ich versuche, dieses sein landwirtschaftliches Leben kurz zu skizzieren:

Im Angesicht der Größe des Todes ist zunächst eine „nüchterne Betrachtung“ angebracht:

Roberts Werdegang zum Biolandwirt begann in den frühen 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Biolandbau war damals gesellschaftlich, politisch und wissenschaftlich eine Nische, für viele eine„Spinnerei“  und war für größere Betriebe auch aus Gründen der fehlenden Marktmöglichkeiten absolut „no way“.

Robert sah das allerdings anders, stellte die Betriebsflächen in Alt Prerau und in der Folge nach der „Wende“ in Tschechien sukzessive auf Bio um und wurde so zu einem Bio-Pionier der „zweiten Generation“, besonders im Bezug auf die Größe des Betriebes. Sowohl bei der Wahl der Kulturen, der Bodenbearbeitung, der Vermarktung und bei den Investitionsentscheidungen war Robert nie zimperlich, sondern großzügig, experimentierfreudig und risikobereit. Im unvermeidlichen Verbandswesen hat Robert seine Rolle eher international gesehen und ausgefüllt, sei es für den Hauptverband der Land und Forstbetriebe oder auch für Demeter Österreich. Er hat den Betrieb auf neue, gute Beine gestellt und dabei auch nie auf die Hilfe von seinen vielen Schutzengeln verzichtet. Soweit so nüchtern.

Im Angesicht der Größe des Todes ist aber auch ein Blick hinter die Kulissen der realen Welt durchaus naheliegend:

Im Kern ist Biolandbau –sehr vereinfacht dargestellt – der Verzicht auf chemisch- synthetischen Dünger und Pflanzenschutz. Robert vermutete allerdings hinter diesem sachlich-fachlichen Anspruch mehr, nämlich eine „universelle und auch übergeordnete “ Ebene. Für ihn waren Richtlinien wichtig, wichtiger erschien ihm aber der „liebevollen Umgang“ mit Boden, Pflanze und Tier als  notwendiges  und auch ausreichendes Kriterium für Bio. Ohne der „liebevollen Einstellung“ – vor allem zum Boden – sei Bio undenkbar und daher unmöglich und so wurde diese eigenwillige und auch etwas kühne These sein Credo.

Frei nach dem berühmten Satz von Augustinus „liebe und mach was du willst“ Damit war er – wenn man so will automatisch – einer christlichen Spiritualität verpflichtet. Folgerichtig hat er seinen Betrieb dann auch biologisch-dynamisch ausgerichtet und 2005 die Demeteranerkennung erhalten.

Biolandbau war für Robert das Fundament und der Boden, den Spagat zwischen nüchterner Realität und ferner Spiritualität  zu versuchen. Robert hat diesen  Versuch mit seinem ihm eigenen, sehr speziellen „spin“ verfolgt  und gewürzt und somit der Landwirtschaft in Alt Prerau seine jetzige Prägung gegeben.

RIP – Alfons Piatti