Biodiversitätsbotschafterin Birgit Braunstein
Biodynamischer Weinbau belebt die Vielfalt
Birgit Braunstein hat sich auf ihrem 25 Hektar großen Betrieb in Purbach im Burgenland dem biodynamischen Weinbau verschrieben. Auf 20 Hektar wird Wein kultiviert und auf den restlichen fünf Hektar extensive Grünlandwirtschaft betrieben. Im Zentrum ihres landwirtschaftlichen Schaffens stehen das ökologische Gleichgewicht, gesunde Böden und Kreislaufwirtschaft.
Die Geschichte des Hofs ist 400 Jahre alt. Früher war er ein Mischbetrieb, dann gab es eine Generation lang nur konventionellen Weinbau. “Für die Generation meiner Eltern lag der Fokus auf Weinbau, was dem internationalen Ruf des österreichischen Weins sehr gut getan hat. Allerdings ist durch die Spezialisierung Vielfalt verloren gegangen. Für mich war also klar, wenn ich übernehme, dann nur Bio”, sagt Birgit Braunstein überzeugt.
Mit biodynamischem Weinbau zu gesunden Böden
Als Pionierin der Biodynamie-Bewegung ging Braunstein ihren ganz eigenen Weg im Weinbau, als sie 2001 den Betrieb ihrer Eltern übernommen hat. “Als ich angefangen habe, war der Klimawandel bereits spürbar. Ich wusste, es muss sich etwas ändern. Das war aber nicht leicht. Wie oft habe ich gehört, Bist du wahnsinnig, das wird nicht funktionieren! Hat es aber doch”, so Braunstein. Stets standen die Gesundung der Böden und das ökologische Gleichgewicht der Weinberge im Zentrum ihrer Arbeit. Zum Humusaufbau in den Weingärten werden Begrünungen eingesetzt sowie Kompost der betriebseigenen Burenziegen und Kamerunschafe genutzt – ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Inzwischen sind auch Birgits erwachsene Söhne im Betrieb tätig. Sie haben die Ausbildung zum Winzer gemacht. Mit biodynamischen Weinbau aufgewachsen, möchten sie das Werk ihrer Mutter unbedingt weiterführen.
Akzente für mehr Artenvielfalt
Artenvielfalt geht für Bio-Winzerin aber über die Rebzeilen hinaus: Kirschbäume werden gepflanzt, eine 6.000 Quadratmeter große Kräuterwiese angelegt, Wiedehopf-Brutkästen angebracht, Steinmauern gebaut, eine Storchennisthilfe installiert. Vielfältiger und vitaler Lebensraum für Wiedehopf, Ziesel, Weißstorch und Co entsteht. “Uns ist es wichtig, Akzente zu setzen. Die Natur antwortet dann sehr schnell darauf und lebt auf. Das ist es auch, was mich persönlich motiviert und mich darin bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.”
Die Natur als Kraftquelle
Für die gelernte Gartenpädagogin und Qi-Gong-Lehrerin ist die Natur nicht nur Arbeitsstätte, sondern auch Kraftquelle. Das Erleben und Wahrnehmen dieser intakten, lebendigen Natur vermittelt sie auch den BesucherInnen, die auf ihrem Green Care (Wein-)Gartenhof gern bleiben, um zu Verweilen. “Unser Konzept ist es, Zuversicht zu säen. Die Vielfalt der Natur soll sich auch im Produkt Wein widerspiegeln und den Menschen Freude machen”, so Braunstein. Mit Verkostungen und Seminaren will sie den KonsumentInnen zeigen, dass sie mit ihrem Einkauf mehr entscheiden, als sie glauben. Und Bäuerinnen und Bauern dabei unterstützen, zu überleben .“Ich würde mir außerdem wünschen, dass man den Beruf Landwirt wieder positiver besetzt: Als Lebenserhalter und Landschaftserhalter.“
Webseite: www.weingut-braunstein.at